Freitag, 20. Juni 2008
20/06/08 Nora Wicke / Karmin
Rote Wände die ebenso wie Aquarellbilder aggressiv machen sollen Scharlachbeeren die nach rauschhaften Zuständen klingen Florentiner Lack eingeatmet ausgespuckt
das ist der Ton in Wien wie Rosen Wein und Samtsofa gedämpft reich und verstaubt
leicht zurückhaltend und doch stark gedämpft vorm offenen Feuer auf dem gefärbten Lammfell zwischen Gläsern und Blüten gebadet in Paris gepflegt
in meinen Raum verirrt sich kein karminrot höchstens unabsichtlich ein kleiner Stein aus dem Kinderzimmer rübergerollt erholen sich meine Augen an der weißen Wand
Donnerstag, 19. Juni 2008
190608/ Marion Starke/ Kaleidoskop
Burano zieht an!
Burano kleidet sich in kunterbunten Schichten. Dicht nebeneinander reihen sich Maigrün, Violett, Karminrot, Altrosa, Kanariengelb, Pink, Ocker, Ulramarinblau und noch viele andere Farben in den unterschiedlichsten Schattierungen. Burano ist eine Farborgie für die Augen und heute Anziehungspunkt für viele Künstler.
Wieder bietet Venedig die Frage: Ist diese Villa Kunterbunt mit seinen kleinen angemalten Häuschen eine Theaterkulisse oder ist das Wirklichkeit?
Mittwoch, 18. Juni 2008
180608/ Marion Starke/ Lagunenmeer
Über das Meer und die Lagune.
Das Wasser der Lagune funkelt geheimnisvoll: acqua luminosa. Ein milchiges Smaragdgrün, das sich wie ein wanderndes Farbmosaik auf den blätternden Hausfassaden spiegelt.
Zwischen den schwimmenden Plastikflaschen klettern vereinzelt Krebse an tannengrünen Gewächsen zur Oberfläche. Farn aus Atlantis dringt zur Oberfläche, bricht das wertvolle Funkeln. Arielles Haare, Verwehungen im Algenmeer. Birgt die Stadt Versunkenes? Ich würde gerne in der Lagune tauchen. Ich würde gerne diese Lagune taufen.
Die Insel hüllt sich in einen diesigen Schleier drückender Hitze. Ein klebriger Film feuchter Schwüle umgibt mich und lässt nicht los. Die Luft sieht so schwer aus wie sie sich anfühlt. Sie wickelt sich wie Frischhaltefolie um meine Haut. Ich zwänge mich zwischen den Pfützen der Schatten. Grüne Killermücken kühlen ihre Füße auf meinem klebrigen Körper. Meine Haut ist eine Spielwiese. Schwüle, Sonne, Hitze und immer wieder Hitze. Ich schwitze und verschwimmen in der Lagune.
Wenn diese Kreuzfahrtdampfer durch den Canal de Guidecca fahren, sieht es so aus, als würden sie irgendetwas vor sich her schieben – als würden sie auf einem Fließband laufen. Bewegen sich die Kreuzfahrtschiffe? Bewegen sie die Stadt? Verschieben sie die Silhouette der Serenissima?
Ein Moosteppich aus Algen bedeckt die Treppenstufen der Vaporettostationen. Unterschiedliche Farb- und Klangschattierungen ertönen in den Wasserstraßen zu verschiedenen Phasen des Tages. Das Plätschern des Wasser, die Wellen, wie sie gegen die Planken der Vaparettos peitschen. Kleine Mückenlarven werden aus der Bewegung des Wassers heraus gewirbelt. Kleine Elfen surren.
Mittwoch, 21. Mai 2008
Ultramarinblau/Henrike Terheyden/Ultramarinblau
Enten haben sich dieses Blau in ihr braunes Gefieder geschoben.
Ultramarinblau steht niemals für sich, es lockt.
Ultramarinblau ist Superlative, ist mehr als mehr und über dem Meer und auf keinen Fall Aquamarin.
Dienstag, 20. Mai 2008
Karminrot/Jennifer Fandrich/Assoziationen zu der Farbe Karminrot
Karminrot ist ein tiefes Rot, das einen Stich ins Bräunlich hat und sehr dicht ist. Die Herbstblätter eines japanischen Fächerahorns können sich in ein reines Karminrot verfärben. Gewonnen wurde die Farbe ursprünglich jedoch aus dem Trocknen und dem Auskochen mit Schwefelsäure von Schildläusen.
Dass Farbe nicht nur eine Sehwahrnehmung, sondern scheinbar auch ein Zustand ist, zeigt die mögliche Antwort auf die Frage mit Karminrot in einem Testportal „Welche Farbe hat Ihre Aura?“:
Wir benötigen kein Medium, um feststellen zu können, dass Ihre Aurafarbe karminrot ist. Ihre rubinrote Aura bringt Ihre leidenschaftliche und sinnliche Natur zum Ausdruck. Sie sind den irdischen Freuden äußerst zugetan. Ob Sie nun in den Genuss einer Massage kommen oder sich einer besonderen Mahlzeit erfreuen, legen Sie stets Wert auf die nötige Portion Sinnlichkeit. (Karminrot ist vor allem die Farbe von Rosen, Wein und Samt) Das ist wohl auch einer der Gründe, weshalb Sie sehr viel Wert auf materielle Dinge legen. Sobald Sie etwas schmecken, berühren, riechen oder hier und jetzt sehen können, ist es um Sie geschehen. Dennoch sind Sie sehr bodenständig und realitätsbezogen. Sie ziehen es vor in der Gegenwart zu leben und nicht in der Zukunft. Wie die meisten Menschen mit einer karminroten Aura, verlieren Sie leicht die Beherrschung. Jedoch sind Sie auch in der Lage, sich ebenso schnell wieder zu beruhigen und Ihre Kraft und Energie auf ebenso konkrete wie schnell erreichbare Ziele zu richten. Als heißblütiger Mensch ziehen Sie den sofortigen Genuss vor.
Eine solche Antwort ist aufschlussreich für die Wirkung, die eine Farbe haben kann, wenn man die Adjektive, die mit der Farbe verbunden werden, herausfiltert: leidenschaftlich, sinnlich, bodenständig, realitätsbezogen, unbeherrscht, heißblütig, genussvoll.
Sonntag, 18. Mai 2008
Karminrot/ Isabel Herling/ Karminrot
Lodern mauer ziegelstein
die dächer verwittert
ein dorf eine stadt in samt,
schwer wie theatervorhang fällt,
schleift hinter dem könig die zeit
den kopf gesenkt den blick ganz dicht
an seinem mantel, folgend
eine rote karminrote spur im nachmittagsfernsehen war es,
sind die leeren fabriken die alte färberei stofffetzen vor den fenstern,
zwischenzone fotografien
noch immer nicht von ihrer reise zurück wieder
nur ein erinnerungsbild und
karminrot, ungewohnt, am auslöser der kamera
Freitag, 16. Mai 2008
Ultramarinblau/ Katharina Stockmann/ Ultramarinblau
Ultramarinblau, das Blau, das über das Meer gekommen ist – dieser Name kommt einem bei der Beschreibung der Farbe entgegen. Schließlich ist das Meer selber ultramarinblau, wenn auch oft nur für kurze Zeit. Ultramarin ist der Prototyp der Farbe Blau überhaupt. Es enthält weder Rot noch gelb und bildet im Farbkreis, zwischen Violett und Türkis seinen eigenen Schwerpunkt.
Es leuchtet wie ein Signal, ohne dabei jedoch aufdringlich zu werden. So ist es kein Wunder, dass Ultramarinblau uns ständig umgibt: Sei es in Nivea-Dosen, den Autos des Technischen Hilfswerks oder den Trikots des Hertha BSC.
Smaragdgrün/Juliane Link/ Notizen zu Smaragdgrün
Notizen zu Smaragdgrün
1. Smaragdgrün ist anders.
Ich dachte Smaragdgrün sei dunkel, fast flaschengrün, wie das Grün von Entenhälsen. Ich dachte an funkelnde Steine in Gold eingefasst, an Abendkleider aus Satin, an raschelnde Stoffe. Doch das Grün von Smaragden ist anders.
2. Smaragdgrün ist ein grünes Wasserblau.
Das Grün von Smaragden ist ein helles, durchsichtiges Grün, in dem sich das Licht bricht. Es ist ein Grün von vornehmer Blässe, zart und bläulich. Die Farbe schimmert, wenn Licht auf sie fällt, verlischt aber im Halbdunkel, sie möchte sich sonnen. Wäre sie nicht grün, sie wäre wasserblau.
Würde man mit Smaragdgrün malen, man müsste die Farbe sehr dünn auftragen, transparent, sodass die Leinwand hindurch schimmert. Man müsste Aquarellfarbe verwenden oder auf Glas malen.
3. Smaragdgrün ist orientalisch.
Das Grün der Smaragde erinnert mich an die Moschee in Paris, die mit Mosaiken aus weißen und grünen Steinen geschmückt ist. Grün ist die Farbe des Islam. Das Weiß der Moschee ist mehr ein Perlmutt, das Grün milchig, bläulich aber noch nicht türkis, die Steine sind glatt geschliffen und glänzen. Es ist ein heller Ort. Das Grün, seltsam unbestimmt, bleibt mir fremd. Jetzt, im Nachhinein gebe ich ihm einen Namen: Smaragdgrün.
Karminrot/Juliane Link/ Notizen zu Karminrot
Notizen zu Karminrot
1. Karminrot ist tückisch.
Man täuscht sich leicht in ihm. Man hält es für Kaminrot, für Ziegelrot, für Backsteinrot.
Man meint, es müsste wärmen und möchte es mit Tannengrün kombinieren und einen Schal daraus stricken. Doch dazu eignet es sich nicht recht.
2. Karminrot ist kühler.
Karminrot ist eine dunkle Farbe mit hohem Blauanteil, nah am Violett, aber nicht ganz so dunkel, nicht ganz so nah am Violett wie Weinrot oder Bordeauxrot, nur bläulicher, kühler als ich dachte.
3. Karminrot wird gekocht.
Karminrot gewinnt man aus getrockneten Läusen, die man mit Schwefelsäure in Wasser kocht. Karminrot ist eine satte Farbe, ein bisschen blutrünstig vielleicht.
4. Karminrot kostet.
Karminrot kostet den Läusen das Leben, den anderen viel Geld. Es ist ein vornehmes Rot, für schwere Stoffe aus Samt oder Brokat. Aus Karminrot möchte man Vorhänge nähen, bodenlang versteht sich oder Stofftapeten, mit denen man ein Zimmer auskleidet, oder zwei.
Ultramarinblau/Juliane Link/ Ultramarinblau
Notizen zu Ultramarinblau
1. Ultramarinblau ist eine Frohnatur.
Blau ist die Farbe der Melancholie, der Sehnsucht. In der Ferne verblauen uns die Dinge, das Unerreichbare ist blau. In einem blauen Raum wird uns kalt.
Mehr als die Hälfte der Deutschen gibt Blau als Lieblingsfarbe an, man müsste sich fragen warum, gäbe es das Ultramarinblau nicht.
Ultramarinblau ist sorglos, ist ungetrübt, ist fröhlich, dem Blau zum trotz. Ultramarinblau leuchtet, strahlt, erfrischt.
2. Ultramarinblau kommt aus gutem Hause.
Ultramarinblau ist ein königliches Blau, es kleidet die Reichen und Mächtigen, gut steht es den Franzosen, den Blaublütigen besonders.
3. Ultramarinblau ist ansteckend.
Streift man an einer Hauswand entlang, die ultramarinblau gestrichen ist, irgendwo im Süden vielleicht, färben sich die Fingerkuppen blau, Ultramarinblau färbt ab.
Die Farbe hat eine hohe Dichte, sie saugt Licht auf wie ein Schwamm, ich kann sie mir nicht glänzend, nicht reflektierend, nicht transparent denken. Ultramarinblau ist ein Sommerblau. Es zieht das Helle an und alle Blicke auf sich. Würde ich mit Ultramarinblau malen, ich würde die Farbe deckend, in mehreren Schichten auftragen.
Donnerstag, 15. Mai 2008
Ultramarinblau/ Marion Starke/ Ultramarinblau 5
Abend, und die frischen Düfte des Aquamarins kühlen mit himmelblauen Schauern die ozeanfarbene Wasseroberfläche. Die Nacht taucht sprachlos in den tiefblaue See.
Ultramarinblau/ Marion Starke/ Ultramarinblau 4
Ultramarinblau ist Königsblau Ultramarinblau ist keine schüchterne Farbe, sie drängt sich in den Vordergrund. Sie ist die Königin aller Farben.
Ultramarinblau ist Universalblau: Aufgrund ihrer Tiefenwirkung wird man in das Ultramarinblau hineingezogen. Ein unendlich tiefes Universum, das in seiner Anschauung rein und unverfälscht zur Geltung kommt.
Ultramarinblau ist Pfaublau: Im Farbton Ultramarinblau schwingt eine besondere Magie mit.
Es ist nicht dein lieblicher Gesang,
in deinem schimmernden Gewand liegt
der Unendlichkeiten Klang.
Magie schwingt in deinen Federn
in deiner eleganten Pracht,
den lauen Sommerabenden bist du Zier.
Pfau, vertrautes unnahbares Wesen,
zu Recht erhälst du den Namen:
"König der Farbe".
Ultramarinblau/ Marion Starke/ Ultramarinblau 3
Es gibt wundervolles Tiefblau, betörendes Himmelblau, stumpfes Taubenblau und romanisches Kornblumenblau. Ist Tiefblau weniger schön als Himmelblau? Jede Nuance ist bezaubernd, aber nur strahlendes Ultramarinblau ist ein reines Blau, das weder einen Stich in das Violette noch in das Grünliche in sich trägt. Ultramarinblau ist ein farbintensives Pigment. Ein reines, kräftig leuchtendes Blau außer Konkurrenz. Ultramarinblau betont schon mit seinem Namen selbst seinen kraftvollen Charakter. “Ultra” steht für äußerst, extrem und übertrieben. “Marin(e)” leitet sich vom Lateinischen marinus – zum Meer gehörig – ab. Das selbe Gefühl, das der Anblick des Meeres auslöst, macht sich in meinem Bauch bemerkbar, wenn ich die extreme Weite, Tiefe und Kostbarkeit der Farbe Ultramarinblau sehe.
Ultramarinblau/ Marion Starke/ Ultramarinblau 2
Provozierende sozialkritische Texte übertönen das Schlagzeugsolo. Du
verkündest jedem mit arrogantem Ton, dass du Ultraminblau zu 83 %
bedeutender findest als Aquamarinblau. Und alle glauben es dir.
Ultramarinblau/ Marion Starke/ Ultramarinblau 1
"Es ist die Doppelnatur der Farbe, die einerseits als matter Puder stoffliche und haptische Qualität besitzt, doch nach längerer Betrachtung das Materielle in sein Gegenteil auflöst und in unergründliche Tiefe entrückt. Ein solcher Transformationsvorgang bewirkt die Transzendierung dieser Farbe und erklärt ihre Magie.” (aus Gercke 1990, S. 426)
Ultramarinblau/ Sara Magdalena Schüller/ VOM SCHWEIGEN UND ABSPRINGEN IN FARBLICHEN BEZIEHUNGEN
„ich sehe was, was du nicht siehst“,
sagt rot zu blau.
„ich sehe rot“, meint blau.
„karmin, mein name sei karmin
und rot werd ich nur noch, wenn du mich kaltstellen willst“.
„rote lippen soll man küssen
und das will ich gleich mal versuchen“, flüstert blau
und beugt sich rüber,
über den arm des ozeans.
„ich sehe was, was du nicht siehst“, mit geschlossenen augen
haucht rot.
und lächelt, während blau schweigt – er ist im meer versunken und fragt sich, ob er seine liebste jemals in diese tiefen wird mitnehmen können und als er wieder auftaucht,
ist rot am brennen.
„deshalb mag ich den winter so gern, weil ich da am kamin sitzen kann, orangen schälen, draußen fallen die walnüsse den baum runter, meine hände mach ich mir schmutzig, wenn ich sie einsammel und dann fängt es an zu schneien – braun, gelb, grün.“
„aber der sommer und seine lauen nächte“, seufzt blau „diese sämigen himmel, nein, da geht nichts drüber“.
im frühling hacken wir auf unseren hellblauen schreibmaschinen, doch im herbst muss das ultramarine kleid raus, damit am strand entlang, wellenschaum auf der oberlippe.
rot gehäutet, blau gemacht und darüber liegt ein magenta und überlegt vom farbkreis abzuspringen.
sie wollte immer schon mal die kanäle sehen. sie sollen so schmutzig sein, dass man – auch tags – nicht die hand vor augen sehen würde. „das ist mein traum – endlich mal nichts mehr sehen, nicht mehr diese ständige reizüberflutung!“
und während blau und rot ihre fingerkuppen ineinander verschränken, macht sich magenta aus’m staub.
sie will das land finden,
in dem tatsächlich alle katzen grau sind
und zwar nicht nur nachts…
Ultramarinblau/ Svenja Wolff/ Ultramarinblau
Ultramarinblau. Als müsste die Farbe ihre Kraft betonen. Ultra – stark. Als müsste sie beweisen, dass sie mehr leuchtet als andere. heller. tiefer. klarer. Es ist, als protze sie, so wie die Waschmittel in der Werbung. Alles Mega und Ultra.
Ultramarinblau. Als würde die Farbe das größte blaue etwas bestimmen, das auf der Wlet zu finden ist (obwohl das Meer ja gar nicht blau ist, sondern nur das noch größere Blau des Himmels reflektiert).
Kann man eine Farbe arrogant nennen?
Wie sieht eine arrogante Farbe aus?
Und damit bleibt auch Ultramarinblau ein Opfer unserer Versuche, Opfer meines Versuchs hier und jetzt, ihr mit Worten gerecht zu werden.
Eine glatte Fehlbenennung einer Farbe?
Oder eine glatte Fehlsozialisierung?
Festzuhalten bleibt: es ist ein eigenartiger Name für eine eigenartige Farbe.
Samragdgrün/ Svenja Wolff/ Smaragdgrün
Smaragdgrün -
in ein Gestein eingeschlossen, in der Erde verborgen, schon ewig dort gewesen. Bis die Menschen sie sich zueigen machen wollten, sie ausbuddelten aus der Tiefe und sie, ihn Form von glitzerndem Schmuck, mit Edel, Adel und Kostbarkeit verbanden. Smaragdgrün.
In der Tat hat es etwas Anmutendes. Doch das rührt nicht von der Kostbarkeit des Gesteins her, sondern von seiner Zeitlosigkeit. Smaragdgrün folgt einem anderen Rhythmus als das Grün der Blätter. Es ist uralt und überdauert uns. Das Wissen darum scheint es uns entgegenzustrahlen, aus der Tiefe des Gesteins, rührt es etwas in uns: ungreifbar, unerreichbar und doch immer da.
Ultramarinblau/ Nora Wicke/ Ultramarinblau
ultramarinblau
für die seeleute dass sie dem meer an seine bläulichsten stellen am nächsten sind die lieblingsfarbe meiner schwester die von den hausbooten schwärmt am fluss in der stadt und mit einem von der sonne ausgeblichenen stuhl vor der türe ist das königsblau eine farbe die es gut meint da es zwischen dem blick nach oben / in einen wolkenfreien himmel / und dem blick vom sand aus zu den vorbeiziehenden weißkantigen schiffen / verbinden kann / mittendrin vor meinem augen dieses blau sich festsetzt auch wenn nur eine kleine stelle ultramarinblau genannt werden darf / die von hier aus eventuell gar nicht sichtbar
Montag, 12. Mai 2008
Karminrot/ Hanna Breinlinger/ Ka(r)minrot
Hanna Breinlinger (Mai 08)
Ka(r)minrot
Meine ursprüngliche Assoziation zur der Farbe Karminrot hat sich, nun, da ich die Fakten recherchiert habe, als falsch erwiesen. Ich ging davon aus, die Farbe hieße „Kaminrot“ - dazu dachte ich mir einen Kamin aus rötlichen Backsteinen.
Auch wenn die Farbe nichts mit einem Kamin zu tun hat, bleibt sie dennoch eine warme Farbe. Rot ist grundsätzlich ein warmer Ton, auch wenn es Nuancen gibt, die die Wärme besser transportieren als andere, beispielsweise als ein sehr grelles Rot.
Was bedeutet nun aber das Wort „Karmin“ & weshalb wurde die Farbe danach benannt?
Wikipedia verrät, dass „Karmin“ von dem arabisch-persischen Wort „Kermes“ für „Scharlachbeere“ abgeleitet ist. Demnach ist Karminrot eng verwandt mit Scharlachrot. Darunter stelle ich mir einen vollen, mitteldunklen, aber dennoch signalhaft wirkenden Rot-Ton vor.
Ebenfalls „Kermes“ heißen die Schildläuse, aus denen der Farbstoff ursprünglich gewonnen wurde. Heute wird er meist künstlich erzeugt & nennt sich, wenn man ihn in Lebensmitteln oder Kosmetika wiederfindet, E 120, oder, in leichter Abwandlung, E 124.
Auch aus dem Läuse-Karmin kann man unterschiedliche Rot-Töne gewinnen: von „Scharlachrot“, über „Karminrot“ bis „Purpurrot“ - wieder ein neuer Rot-Ton, den man genauer differenzieren müsste oder könnte.
Wenn ich mir nun die neuen Fakten überlege, nämlich auch, dass erst 1 Kilo Läuse 50 Gramm Farbe ergeben, bleibe ich lieber bei meiner harmlosen Vorstellung von „Kaminrot“, das von rötlichen Backsteinen kommt ... also ein warmes, abgedämpftes Rot, dass zwischen Orange und Braun changiert.
(Nach einer kurzen Unterhaltung mit Frau Ritter, in der ich sie auf ihre – nach meinen Vorstellungen - karminrote Hose ansprach, stellte sich heraus, dass es sich bei dem von mir gedachten Farbton doch eher um ein Rost-Rot handelt ...)